Doris Knecht kriegt ihre Mädels in einer ausländerfreien Volksschule unter: Fick deine Mutter
Das freut sie, weil auf den anderen, eben ausländerverseuchten Normalschulen, da lehren die "gewaltaffinen" Ausländerjungs ihren süssen Mädels derbe Kraftausdrücke, und vor solchem Unbill will sie die Mama, ex-rebellisch hin oder her, nun doch bewahren, und schimpft sich dafür zerknirscht eine Spiesserin.
Dieses ganze Bekenntnis ist so kokett, so durchtränkt von einer beifallheischenden Pseudooffenheit. Knecht tut so, als wäre es ihr doch immerhin hoch anzurechnen, dass sich da endlich mal eine traut, die Dinge so offen anzusprechen. Schmecks. Diese Bekenntnisse habe ich in zahlreichen Variationen von allen Eltern im Bekanntenkreis gehört, sie werden von den engagierten Managementberatern aus Ottakring nur wenig anders formuliert als von den besseren Töchtern aus Hietzing und dem Installateur in der oberösterreichischen Provinz. Sie alle haben ja nix gegen Ausländer, aber je höher der Ausländeranteil desto niedriger das Bildungs-, Sprach-und überhaupt Niveau, desto höher Gewalt, Vulgarität und ja, warum nicht, Seuchengefahr. Für all diese Behauptungen wird nicht nur kein empirischer Beweis, sondern nicht einmal eine halbwegs logische Argumentation gebracht. Warum das so ist? Naja, weil als stereotype Ressentiments teilen wir alle sie sowieso.
Worum es eigentlich geht, offenbart sich deutlicher am positiv Besetzten: die gute Schule, die ist "nett", und sogar "echt nett" und "klein" und "sympathisch". Mmh. Das sind ja nun nicht gerade Schlüsselbegriffe der Bildungsansprüche. Es geht wohl eher um ein Gefühl des kuschelig Vertrauten, also um das Suchen und Erkennen des Ähnlichen, also einen Kulturalismus, der das Eigene will und das Andere ablehnt. Und dabei offenbart sich halt, dass die kulturellen Differenzierungen, derer sich die Eltern bewußt befleissigen, um sich von ihren eigenen Eltern und den konservativ Bürgerlichen abzugrenzen (MusikSzene, freies Theater, Zeitschriften und all der andere Lifestyle) dann doch verblassen, wenns ums Essentielle, nämlich die eigenen Kinder, geht und plötzlich die Ähnlichkeiten hervortreten. Das befreundete Paar schickt ihre Tochter in den englischsprachigen Privatkindergarten (480€/Monat, zzgl Betreuungsleistungen!), findet sich bei Elternabenden nur mässig überraschend neben leitenden Angestellten und Notaren und mokiert sich über die offenkundig schleissige Betreuung im Kinderfreundeinstitut gegenüber (230€/Monat); kürzlich besuchte ich den mit meinem Augenstern, fand die Betreuerinnen sehr engagiert und liebevoll, aber das Auffallendste ist, dass die Hälfte der Kinder jüdisch sind. Jetzt frage ich mich: von welcher Begegnung hätte mein Sohn mehr fürs Leben und eigene Verständnis? Geht es eigentlich darum, dass ich mich bei den Elternabenden wohl fühle oder er die richtigen Herausforderungen und nicht die falschen Vertrautheiten erlebt?
Interessant ist, dass sich die Sprache, mit der heute die Schulen mit "hohen Ausländeranteil" abgewertet werden, jener ähnelt, mit der früher die als proletarisch definierten Unterschichten von Bildungsinstitutionen ferngehalten werden sollten und noch in den 70ern gegen den freien Hochschulzugang gewettert wurde. Was Doris Knecht mutig bekennt, ist also das gute alte Klassendünkel im kulturalistischen Gewand.
Ändert das etwas? Nö, wenn die Annahmen stimmten nicht. Aber die Erkenntnis der eigenen Verwandtschaft mit den alten Feinden könnte ja vielleicht dazu führen, die Annahmen doch noch mal einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
Und sich vielleicht der Anstrengung zu unterziehen, die Ansprüche, die wir an die Bildungsinstitutionen unserer Herzipinkis legen, etwas präziser zu definieren, als: "sollen kuschelig sein".
Und zu den Ausländern: wenn schon, dann sollte die bekennende Kulturalistin eine Rangordnung wünschenswerter Fremdkulturen nach Bildungshunger und damit positiver Beeinflussung erstellen: also Asiaten sind ja ganz bildungshungrig; Juden bekanntlich auch; Russen sind auch sehr gut (Schachspiel!); Slowenen auch gut, Griechen sehr fleissig und Türken so wohlerzogen.
Ach ja, und das kroatische "Jebem ti Pitschku Materinu" habe ich damals vor 30 Jahren in meiner unglaublich kuscheligen Privatschule innerhalb von 3 Stunden gelehrt bekommen - von einer gaanz lieben Diplomatentochter. Also gib Dich keinen Illusionen hin, alles, was so aufregend ist, weil es Mama dabei graust, werden die Kinderlein sowieso mitkriegen.
Mittwoch, 9. April 2008
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