Montag, 3. November 2008

Finanzkrise 2: alle schuld, nur manche bluten

Auffallend ist schon, wer bislang die Opfer unter den Finanzinstitutionen waren: in den USA jene 2 Investmentbanken, die nicht im Verbund des "Fed"Systems sind, in Österreich die arrogante kleine Constantia... Klar haben die Scheiß gebaut (und wie!), aber der Verdacht ist, dass die grossen kaum weniger davon, aber bislang damit davon kommen.
Als Andreas Treichl, Oberchef der Erste Bank, verkündete, dass diese eine nachrangige Anleihe der Republik annehmen werde (etwas bleich unter der Bräunungscreme), obwohl sie es ja gar nicht bräuchten, fragte ich mich schon: wer nimmt einen Kredit zu 8% auf (wenn er selber Kredite zu 6,5% vergibt), wenn er es nicht wirklich dringend braucht?
Mein Lieblingsfall ist derzeit die Kommunalkredit, jenes österreichische Paradeinstitut, dass die letzten Jahren mit immer neuen Rekordgewinnen glänzte, erfolgreich international agierte und nun plötzlich: Uuups. Und tatsächlich, in den Medien wird dies so hoppala-mässig geschildert. Interessant daran: als die deutsche HypoRealEstate ins Trudeln geriet, wurde ihr grob fahrlässiges Handeln vorgeworfen: sie hatte Geld langfristig verborgt, sich aber kurzfristig Geld aufgenommen. Da langfristige Zinsen fast immer höher als kurzfristige sind, ein Supergeschäft - bis es plötzlich kein Geld mehr zum Borgen gab. Wegen diesem Risiko gilt der Ausgleich der Fristigkeiten als Grundregel soliden Bankgeschäfts und wer es missachtet als grob fahrlässig. Und worüber stolpert die Kommunalkredit? Genau. Kritisiert irgendjemand den erfolgreichen Chef? nö. Die österreichische Erklärung: im Ausland ists halt schiefglaufen.
Andreas Treichl verdient immer noch über 1 Mio Euro im Jahr. Im Sinne von: Leistung muss sich wieder lohnen.

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