Immer noch wird das aktuelle Tohuwabohu an den Finanzmärkten auf die Subprime-Krise der USA zurückgeführt. Die wird so definiert: die Immobilienpreise in den USA kollabierten und die schlechten Schuldner, eben die sub primes, könnten ihre Kredite nicht mehr bedienen. Wahr ist: von 2002 bis 2006 stiegen die Immobilienpreise in den USA um 100% um dann bis 2008 um 15% zu korrigieren. Sic! Und der Prozentanteil der Ausfälle im subprime-Segment stieg in den letzten 2 Jahren von 5 auf 6,5%. Ebenfalls sic! Wer mit diesen Änderungen den Untergang des kapitalistischen Finanzsystems wie wir es kannten erklären will, ist bescheuert.
Wasisses dann? Tatsächlich sind es unzählige Faktoren, die im wesentlichen in der inhärenten Instabilität des Finanzsystems selbst liegen, etwas konkreter im Kernelement Risiko. Eigentlich im Verkennen desselben.
Zu erklären ist, warum ein gesunder und normaler Preisrückgang und ein undramatischer Ausfallsanstieg dazu führen können, dass jene Wertpapiere, die auf den subprime Krediten basieren, derzeit wertlos weil nicht handelbar sind. Der Grundgedanke dieser ABS (sic!) genannten Wertpapiere war die Vermeidung von Risiko: das Risiko des einzelnen Kredits wird gestreut, indem viele Kredite gebündelt werden; das Risiko für die kreditgebende Bank wird reduziert, indem diese Wertpapiere an viele unterschiedliche Institutionen gestreut wird.
Blöderweise gab es anscheinend in diesem Risikovermeidungsspiel (bissi wie "Reise nach Jerusalem") unerwartete Klumpenbildungen - etwa die deutsche Mittelstandsfinanzierungsbank IKB, die letztes Jahr de facto bankrott ging. Vor allem bewirkte aber die Risikostreuung eine Handlungsunfähigkeit: kann die kreditgebende Bank im einzelnen Kreditfall verhandeln (zusätzliche Sicherheiten, Zinsmoratorium) kann der Besitzer eines solchen komplexen Wertpapieres gar nichts tun außer das Ding wieder verkaufen - was eben doof ist, wenn niemand mehr es kaufen will.
Das war ein grundlegendes Missverständnis von Risiko: wer keine Kontrolle über das zugrundeliegende Geschäft hat, dem nutzt die ganze Risikostreuung nix.
Umgekehrt aber heisst das, dass demnächst die Stunde der ABS-Aufkäufer schlagen wird: denn wer zu Kursen um die 20% das ganze Paket aufkauft, dieses dann wieder in Einzelkredite aufdröselt und mit den einelnen Krediten verhandelt, kommt, siehe oben, auf eine Ausfallsquote von 6,5% und einen Immobilienpreisrückgang von 15%, kann also ca. 80% realisieren und macht daher einen Gewinn von 300%.
Montag, 3. November 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen