Montag, 3. November 2008

Finanzkrise5: der nächste

Risikoscheu rächt sich. Mit nix ist so viel Geld zu verlieren wie mit risikoarmen Investments. Das mussten wir mit Meinl European Land und gerade, schnieff, mit Immofinanz lernen (Schurken! Dilettanten!). Noch schlimmer sind die Zertifikate, bei den Lehmann Brothers das Kapital garantierte und die jetzt definitiv gar nichts mehr wert sind (nichts mit: erholen sich eventuell schon wieder). (Der Kollaps von Lehmann hat m.E. weitreichende Folgen, die in der Katastrophe Oktober völlig unbeachtet blieben.) Dann werden noch die Schiffsbeteiligungen auf Sand laufen. Und dann, was bleibt? Sparbücher? Das wird die allergrösste Falle von allen, nicht jetzt, aber in ein paar Jahren. Meine Oma, die wusste das noch, was die Sicherheit von Sparbüchern wert war, als die Krone innert 2 Jahren 99,89% an Wert verlor.
Am sichersten sind demnach die riskantesten Anlagen: wie wär´s mit Venture Capital?

Finanzkrise 4: and now?

Die Staaten haben gerade mal damit begonnen, Geld in die Märkte zu pumpen. Gleichzeitig findet in atemberaubenden Ausmaß ein "Deleveraging" statt, das massiv gehebelte, fremdfinanzierte Kapital wird rückgeführt, also entsorgt. So endet der spekulationsgetriebene Rohstoffboom (uups, wars doch nicht der Biodiesel), so fliegen Dollar und Yen dem armen Euro um die Ohren und die Preise von allem, was handelbar ist, purzeln: eben auch Gold, sehr verwirrend, in der grössten Krise des Finanzsystems seit, ach, ewig, fällt der Goldpreis!
Das sind Anzeichen einer deflationären Entwicklung, was höchst unlustig sein soll, sagen zumindest die Japaner, die kennen das.
Das ist vielleicht nicht gerade der anschaulichste aber vermutlich der entscheidende Kampf der nächsten Monate und Jahre: deflationärer Stillstand oder staatsinduzierter Hyperinflationsboom? Wetten täglich auf allen Märkten.

Finanzkrise 3: wo ists geld?

Die Finanzkrise ist eine Vertrauenskrise, die Banken borgen einander kein Geld mehr. So heissts. Wenn das so stimmt, dann stellt sich die Frage: wer hat es denn und was wird er damit tun? Mein heimlicher Star ist die Banco Santander, die praktisch im Wochentakt Grossbanken aufkauft, zuerst in GB, dann in den USA. Keinen wunderts. Ist doch komisch, eigentlich.
Und verdächtig still wurde es um die arabischen, asiatischen Banken und Staatsfonds, die letztes Jahr so heldenhaft schweizerische und US-Banken retteten. Schmollen die noch, weil sie das 5fache des heutigen Kurses zahlten?
Also wenn das Geld nicht weg ist, sondern die, die es haben, noch zögern, dann wird wohl in Kürze der grosse Run auf die billigen Assets beginnen (derzeit gibt es nur 4 DAX-Werte mit einem KGV über 10!)
Andererseits: was, wenn niemand mehr das Geld hat?

Finanzkrise 2: alle schuld, nur manche bluten

Auffallend ist schon, wer bislang die Opfer unter den Finanzinstitutionen waren: in den USA jene 2 Investmentbanken, die nicht im Verbund des "Fed"Systems sind, in Österreich die arrogante kleine Constantia... Klar haben die Scheiß gebaut (und wie!), aber der Verdacht ist, dass die grossen kaum weniger davon, aber bislang damit davon kommen.
Als Andreas Treichl, Oberchef der Erste Bank, verkündete, dass diese eine nachrangige Anleihe der Republik annehmen werde (etwas bleich unter der Bräunungscreme), obwohl sie es ja gar nicht bräuchten, fragte ich mich schon: wer nimmt einen Kredit zu 8% auf (wenn er selber Kredite zu 6,5% vergibt), wenn er es nicht wirklich dringend braucht?
Mein Lieblingsfall ist derzeit die Kommunalkredit, jenes österreichische Paradeinstitut, dass die letzten Jahren mit immer neuen Rekordgewinnen glänzte, erfolgreich international agierte und nun plötzlich: Uuups. Und tatsächlich, in den Medien wird dies so hoppala-mässig geschildert. Interessant daran: als die deutsche HypoRealEstate ins Trudeln geriet, wurde ihr grob fahrlässiges Handeln vorgeworfen: sie hatte Geld langfristig verborgt, sich aber kurzfristig Geld aufgenommen. Da langfristige Zinsen fast immer höher als kurzfristige sind, ein Supergeschäft - bis es plötzlich kein Geld mehr zum Borgen gab. Wegen diesem Risiko gilt der Ausgleich der Fristigkeiten als Grundregel soliden Bankgeschäfts und wer es missachtet als grob fahrlässig. Und worüber stolpert die Kommunalkredit? Genau. Kritisiert irgendjemand den erfolgreichen Chef? nö. Die österreichische Erklärung: im Ausland ists halt schiefglaufen.
Andreas Treichl verdient immer noch über 1 Mio Euro im Jahr. Im Sinne von: Leistung muss sich wieder lohnen.

Finanzkrise1: Anlaß ist nicht Ursache

Immer noch wird das aktuelle Tohuwabohu an den Finanzmärkten auf die Subprime-Krise der USA zurückgeführt. Die wird so definiert: die Immobilienpreise in den USA kollabierten und die schlechten Schuldner, eben die sub primes, könnten ihre Kredite nicht mehr bedienen. Wahr ist: von 2002 bis 2006 stiegen die Immobilienpreise in den USA um 100% um dann bis 2008 um 15% zu korrigieren. Sic! Und der Prozentanteil der Ausfälle im subprime-Segment stieg in den letzten 2 Jahren von 5 auf 6,5%. Ebenfalls sic! Wer mit diesen Änderungen den Untergang des kapitalistischen Finanzsystems wie wir es kannten erklären will, ist bescheuert.
Wasisses dann? Tatsächlich sind es unzählige Faktoren, die im wesentlichen in der inhärenten Instabilität des Finanzsystems selbst liegen, etwas konkreter im Kernelement Risiko. Eigentlich im Verkennen desselben.
Zu erklären ist, warum ein gesunder und normaler Preisrückgang und ein undramatischer Ausfallsanstieg dazu führen können, dass jene Wertpapiere, die auf den subprime Krediten basieren, derzeit wertlos weil nicht handelbar sind. Der Grundgedanke dieser ABS (sic!) genannten Wertpapiere war die Vermeidung von Risiko: das Risiko des einzelnen Kredits wird gestreut, indem viele Kredite gebündelt werden; das Risiko für die kreditgebende Bank wird reduziert, indem diese Wertpapiere an viele unterschiedliche Institutionen gestreut wird.
Blöderweise gab es anscheinend in diesem Risikovermeidungsspiel (bissi wie "Reise nach Jerusalem") unerwartete Klumpenbildungen - etwa die deutsche Mittelstandsfinanzierungsbank IKB, die letztes Jahr de facto bankrott ging. Vor allem bewirkte aber die Risikostreuung eine Handlungsunfähigkeit: kann die kreditgebende Bank im einzelnen Kreditfall verhandeln (zusätzliche Sicherheiten, Zinsmoratorium) kann der Besitzer eines solchen komplexen Wertpapieres gar nichts tun außer das Ding wieder verkaufen - was eben doof ist, wenn niemand mehr es kaufen will.
Das war ein grundlegendes Missverständnis von Risiko: wer keine Kontrolle über das zugrundeliegende Geschäft hat, dem nutzt die ganze Risikostreuung nix.
Umgekehrt aber heisst das, dass demnächst die Stunde der ABS-Aufkäufer schlagen wird: denn wer zu Kursen um die 20% das ganze Paket aufkauft, dieses dann wieder in Einzelkredite aufdröselt und mit den einelnen Krediten verhandelt, kommt, siehe oben, auf eine Ausfallsquote von 6,5% und einen Immobilienpreisrückgang von 15%, kann also ca. 80% realisieren und macht daher einen Gewinn von 300%.